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Ärztin weist Jungen wegen Vornamen ab

05 Feb
(quelle: focus.de)

Wie der „Schwarzwälder Bote“ am Freitag berichtet, ereignete sich der Vorfall am vergangenen Dienstag im südbadischen Donaueschingen. Die Kieferorthopädin sagte der Zeitung zufolge, ihr sei der Name des Jungen beim Blick auf das Patientenblatt „wirklich übel aufgestoßen“, sie habe aber sichergehen wollen, ob er auch wirklich die Bedeutung „Heiliger Krieg“ habe. Im Wartezimmer habe sie den türkischen Jungen unter vier Augen angesprochen und ihn gefragt, wie die Bedeutung seines Namens sei.

Als der 16-Jährige antwortete, dass das Wort „Heiliger Krieg“ bedeute, habe sie seine Behandlung abgelehnt. „Das empfinde ich als Kriegserklärung gegen alle Nicht-Islamisten. Ich will nichts mit gewaltbereiten Menschen zu tun haben“, wurde die Frau zitiert. Die Familie des Jungen erwägt nun eine Anzeige. Auch die Zahnärzteschaft prüft mögliche Verstöße gegen das Vertrags- und Berufsrecht.

Gängiger Name in der Türkei

Der Junge mit dem Namen „Cihad“ (arabisch: „Dschihad“) ist in der Donau-Stadt am Rande des Schwarzwaldes geboren, und bis jetzt hat anscheinend niemand Anstoß an dem Namen genommen. „Es gab nie Probleme deshalb“, sagte sein Vater. Auch das Standesamt der 22 000-Einwohner-Stadt hatte keine Bedenken, als die Eltern den Namen ihres Sohnes nach der Geburt meldeten. „In der Türkei ist das ein gängiger Name“, sagte ein Sprecher. In der Stadtverwaltung kann man nicht nachvollziehen, warum die Ärztin so handelte.

Auch bei der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg schüttelt man den Kopf. „Der Name oder die Religion ist kein Grund, jemanden nicht zu behandeln“, sagte Vorstandschefin Ute Maier. „Politik hat im Wartezimmer keinen Platz.“

Namen „einfach schön“ gefunden

Die Eltern beteuerten gegenüber der Zeitung, den Namen hätten sie ausgewählt, weil sie ihn einfach schön fänden, nicht aus islamistischen Motiven. Der Name Cihad/Dschihad steht im Islam für den „allumfassenden Einsatz für die Sache Gottes“ und für den „inneren Kampf um das Gute“. Im Arabischen ist er als männlicher Vor- und Nachname nicht selten. Allerdings nehmen auch vielfach religiöse Fanatiker und Islamisten den Begriff für sich in Anspruch.

Welche Bedeutung auch immer: „Der Junge kann ja nichts dafür, dass seine Eltern ihn so genannt haben“, räumte die Ärztin selbst in dem Bericht ein. Inzwischen bereue sie es daher, den Jungen mit der Zahnspange am vergangenen Dienstag nicht behandelt zu haben. Doch trotz Entschuldigung könnte der Kieferorthopädin, die sich am Freitag nicht zum Vorfall äußern wollte, eine Verwarnung oder Geldstrafe ins Haus stehen, erläuterte die Kassenzahnärztliche Vereinigung.

Hetze gegen Muslime

Der Berliner Antisemitismus-Forscher Wolfgang Benz zeigte sich „zutiefst erschreckt“ über den Vorfall: „Das ist ein Beweis dafür, dass die Hetze gegen Muslime in unserem Lande Früchte trägt“, sagte Benz der „Frankfurter Rundschau“ (Samstagsausgabe).

Nach Informationen des „Schwarzwälder Boten“ ist Cihad seit zweieinhalb Jahren bei der Donaueschinger Fachpraxis in Behandlung. Am 2. Februar sei allerdings der Arzt, der ihn eigentlich betreut, nicht im Dienst gewesen. Ein Sprecher der Landesärztekammer erklärte, rein rechtlich sei kein Arzt dazu verpflichtet, einen Patienten zu behandeln, außer es handelt sich um einen Notfall. Dass der Vorname Grund für eine Ablehnung sei, sei allerdings „außergewöhnlich“.

 
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Verfasst von - 5. Februar 2010 in Kritik, News, Web

 

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